http://iz-ffm.de/wp-content/uploads/2015/02/fmdhf.jpg

Kommunistischer Bürgermeister aus der Türkei zu Gast im IZ

Kommunistischer Bürgermeister  von der DHF (Föderation der demokratischen Rechte) FATIH MAÇOGLU aus Dersim / Türkei. Wir wollen uns mit ihm beim Frühstück über die sozialistische Städteverwaltung unterhalten. 

Merhaba, Genosse Bürgermeister!

Kurzer Ausschnitt aus einem Artikel der Lowerclassmagazine über den kommunistischen Bürgermeister aus der Türkei.

„Fatih Maçoğlu ist vor kurzem zum ersten kommunistischen Bürgermeister der Region gewählt worden, der nicht über eine Namens- sondern eine dezidiert kommunistische Liste gewonnen hat. Wir werden in den ersten Stock des Rathauses gebracht, gleich

nach der Stiege werden wir von Fatih begrüßt. Er bittet uns in sein großes Büro, wir nehmen auf tiefen Kunstledersesseln Platz und bekommen Cay serviert. Im gesamten Büro stehen verteilt am Boden und auf Kästen Blumen, wohl noch Gratulationen für die in diesem Jahr gewonnene Wahl. Hinter seinem computerlosen Schreibtisch hängt eine große Uhr, politische Gefangene haben sie im Knast angefertigt und dem Bürgermeister geschenkt. Das zentrale Versprechen, der von DHF und TKP unterstützten Wahlkampagne war die tatsächliche Einbindung der Bevölkerung in die politischen Belange der Stadt. Prompt umgesetzt wurde es mit neu geschaffenen rätedemokratischen Strukturen. Neben allgemeinen Zusammenkünften der gesamten Bevölkerung gibt es beispielsweise noch Versammlungen für BäuerInnen, für Frauen und für Menschen mit Behinderung. Alles, was in der Gemeinde entschieden wird, geht von diesen Versammlungen, die sich einer regen Beteiligung erfreuen, aus. Als uns Fatih Maçoğlu auf unsere Fragen antwortet und von den anstehenden Projekten berichtet, dringen Parolen auf Kurdisch von der Straße durch die dünnen Fenster in den Raum: eine der zahllosen spontanen politischen Kundgebungen während des Festivals.

Seine drei großen Vorhaben sind die Verbesserung der Straßen, der Umgang mit den Problemen, die der harte Winter mit sich bringt, und die Wohnsituation der Bevölkerung. Viele weitere Punkte werden von gesetzlichen Vorgaben und der Haltung der türkischen Regierung blockiert. Doch Ovacık weiß sich zu helfen und in der kurzen Regierungszeit wurden neben der Demokratisierung noch eine ganze Menge an Vorhaben umgesetzt: laut Gesetz dürfen von den Kommunen die öffentlichen Verkehrsmittel (Kleinbusse, die mit einem Affenzahn zwischen den Dörfern pendeln) nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Gemacht wird das trotzdem. Der Bürgermeister meint: “Sollen sie uns doch klagen!” Betriebe müssen das hier abgefüllte Munzurwasser zum dreifachen Preis im Vergleich Munzurquelle (4)zur Normalbevölkerung beziehen, in Österreich ist es wohl genau umgekehrt. Noch ist es nicht möglich, Wasser kostenlos zur Verfügung zu stellen, es scheitert an den Befugnissen der Gemeinde. Deshalb sind Gemeindefusionen geplant, um so den juristischen Status aufzuwerten. Für arme und behinderte Menschen gibt es alles, was hier produziert wird, zum halben Preis in den Läden. Der Genosse Bürgermeister spricht davon, dass sie die Bevölkerung mit einem Lächeln von ihrer Sache überzeugen wollen. Er will Bewusstsein schaffen und die Menschen für die Revolution gewinnen. Immer wieder fächelt er sich Luft zu. Dass es bei den Temperaturen, die an die vierzig Grad gehen, offenbar nirgends Ventilatoren gibt, bleibt uns ein Rätsel.“